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Serien streamen, bis die Welt untergeht:

Cloud oder Rußwolke?

 

„Das Internet stinkt“, schreibt Niklas Maak im Atlas der Globalisierung. Und wer hätte das gedacht: Es stinkt nach ­Diesel. Die köstliche Avocado hinterlässt bei vielen Studenten schon lange den bitteren Nachgeschmack eines schlechten ­Gewissens. 1.000 Liter Wasser braucht nur eine einzige der fettigen Früchte zum Gedeihen. Auch dass der spontane Billigflug nach Barcelona eine echte CO2-Sünde ist oder die gedankenlos gekaufte Plastiktüte im Supermarkt bald im Magen bedrohter Meerestiere landen könnte, ist den meisten Studis mittlerweile bewusst, wie auch eine Umfrage von ZEIT Campus gezeigt hat. Immer mehr junge Menschen sind bereit, anders zu handeln, auch wenn es unbequem ist.

 

Dieselmotoren für den Notfall

Noch nicht so durchgesickert: Auch das Internet ist ein ­Klimakiller, so immateriell und geruchlos es auch daher kommt. Die riesigen Server-Farmen jedoch, die unter anderem dafür ­sorgen, dass wir blitzschnell Whatsapp-Nachrichten schicken, Google-Anfragen starten und Fotos von Sonnenuntergängen bei Instagram hochladen können, werden mit Diesel-Motoren be­trieben. Der Bedarf nach Speicherplatz wächst gigantisch. Und Speicherplatz braucht Energie, auch im Falle eines Stromausfalls. Dann halten Dieselmotoren in Größe einer Dampfloko­motive die gigantischen Daten-Center am Laufen.

 

Mehr als eine Milliarde Menschen googeln täglich Infor­mationen, twittern, liken, teilen. Und auch, dass eine einzige Überweisung der Cryptowährung Bitcoin so viel Strom wie ein US-Amerikaner in einer Woche verbraucht, wissen wenige. Das (noch) fehlende Problembewusstsein für die Online-Umweltverschmutzung hat laut Niklas Maak vermutlich psychologische Gründe. Der Zusammenhang zwischen dem geruchlosen Versand eines Whatsapp-Fotos und dem dahinterstehenden Energieverbrauch ist höchst abstrakt. Und während man Avocados relativ leicht reduzieren kann, ebenso wie Flugreisen, zu denen es Alternativen gibt, hinterlässt einen der Energieverbrauch durch das Internet vielleicht besonders ratlos, ganz besonders die Digital Natives.

 

Internet alternativlos für Bildung

Für Studenten ist die Nutzung des Internets absoluter Alltag, der für die moderne Kommunikation, die Freizeit, aber auch für das Erlangen von Bildung und Wissen zum Teil fast alternativlos ist. Dass wir chatten, Serien streamen und in sozialen Medien datteln, aber online auch Vorlesungen anschauen, an interak­tiven Webinaren teilnehmen, aus dem Auslandssemester nach Hause skypen oder Klausurergebnisse abrufen, ist eben nicht nur Teil der Freizeit – auch die Chance Studium wird täglich digitaler, virtueller. Nicht zuletzt eröffnet uns das Internet auch den schnellen Zugang zu Informationen wie diesen.

 

Chance Studium heißt aber auch, Lösungen für all die Probleme zu finden, die aus dem menschlichen Fortschritt entstehen, und Verantwortung zu übernehmen. Niklas Maak beendet seinen Artikel im Atlas der Globalisierung mit dieser Forderung: „Vielleicht wäre es nötig, gerade an den Hochschulen die Aufmerksamkeit von Ingenieuren und Architekten auf die Riesenkisten mit ihren gelegentlich losbrummenden Diesel­aggregaten zu lenken und nicht auf künstlerische Ummantelungen zu beschränken, wenn man nicht will, dass einem die sogenannte Cloud irgendwann als unschöne Rußwolke entgegenkommt.“

 

Sich darauf verlassen, dass kluge Nachwuchsakademiker schon eine Lösung finden werden, um in der Zwischenzeit einfach so weiterzumachen wie bisher? Das ist für viele von Euch längst keine Option mehr.

Stefanie Müller


Wissenswertes

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