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Margit Hertlein

Stay Hungry


Hungrig bleiben auf das Wissen, auf Prozesse, auf die Digitalisierung, auf Neues, auf scheinbar Neues oder auf Altbekanntes, ganz einfach? Oder? Wie bleibt man hungrig und neugierig? Denn nicht bei allem Neuen sagen wir: „Wow, das ist mega, wow, was für ein heißer Scheiß, wieder Änderungen, super! Hab ich mich schon immer drauf gefreut.“ Im Gegenteil, wir töten unsere Neugier mit den drei klassischen Neugierkillern: „Weiß‘ ich schon, kenn‘ ich schon, brauch‘ ich nicht.“

 

Und selbst beim Fragestellen, es wird doch immer gesagt, Fragen sind doch das Wichtigste, Fragen eröffnen neue Horizonte, wir brauchen Fragen in der Wissenschaft – ja, stimmt! Fragen sind wichtig! Für die Weiterentwicklung von neuen Inhalten, aber auch für einen selber. Nur: Will ich wirklich hören, was der andere sagt?

 

Neugier ist ein Urmotiv, und das hat uns vor langer langer Zeit zu dem Homo sapiens gemacht, der wir heute sind. Hätten allerdings unsere Vorfahren gesagt: Kenn‘ ich schon, weiß ich schon, brauch‘ ich nicht, dann säßen wir heute nicht hier. Es waren damals wie heute ein paar neugierige, bunte Hunde, wären sie nicht in neue Gebiete oder Verfahrensweisen vorgedrungen, hätten ihre Komfortzone nicht verlassen und nach einem Blitzschlag gesagt: Wow, das ist gefährlich, es ist heiß, ich nenn‘ es mal Feuer und grille eine Gazelle, dann hätten wir uns nicht zum Homo sapiens von heute entwickeln können. Denn das Angrillen in der Savanne hat bewirkt, dass beim gegrillten Fleisch das Eiweiß leichter verdaulich für uns Menschen wird und das Fleisch länger haltbarer. Die frühen Menschen konnten auf diese Weise sehr viel mehr Eiweiß zu sich nehmen und damit letztendlich das Gehirnwachstum anregen. Also ohne BBQ kein moderner Mensch. Wer gerne grillt, macht quasi eine Verbeugung vor unseren neugieren Vorfahren.

 

BBQ, bzw. Essen und Neugier haben viel miteinander zu tun. Wenn ich nicht esse, rebelliert mein Körper. Wenn ich nicht mehr neugierig bin, rebelliert, wenn ich Glück habe, der Geist. Doch leider kommt man auch ohne Neugier als Erwachsener durchs Leben. Und das, was wir als Kinder von der Evolution an Neugier in die Wiege gelegt bekommen haben, das „verhungert“.

 

Bei manchen schrumpft die Neugier schon im Kindergarten, mit Sicherheit bei den meisten, wenn die Schule beginnt. In einer deutschen Studie hat man Kinder von der ersten Klasse bis zur vierten Klasse beobachtet. In der ersten Klasse meldeten sich die meisten Kinder durchschnittlich 20-mal pro Stunde, um Fragen zu stellen: Warum ist denn das so? Warum ist denn das nicht anders? Was ist das? Warum schauen Sie so? Was machen Sie sonst? Gibt’s sonst noch was Schönes? In der vierten Klasse haben sich die Kinder nur zweimal zum Fragenstellen pro Stunde gemeldet. Wenn das ein Erziehungserfolg sein soll, dann gute Nacht für das Neugier- und Forscherland Deutschland.

 

Und das fatale bei der Neugier ist, dass sie sich nicht mit Pauken und Trompeten verabschiedet. Nein, sie schleicht sich auf leisen Sohlen aus unserem Leben. Je mehr Erfahrungen wir machen und je älter wir werden, je länger wir im Berufsfeld sind, desto mehr Selbstverständlichkeiten, Erfahrungen, Gewohnheiten erwerben wir, desto mehr wissen wir doch, wie es läuft. Aber ohne Neugier interessieren uns die vielen Möglichkeiten nicht. Weiß‘ ich schon, kenn‘ ich schon, brauch‘ ich nicht.

 

Wie wir in die Welt schauen, mit welcher innerer Haltung, das bekommen wir zurück. Wenn wir auf Big Data, New Work, Digitalisierung, Change, Disruption, also auf die ganzen neuen Möglichkeiten sehen und sagen: kenn‘ ich schon, weiß ich schon, brauch‘  ich nicht, dann ist es unwahrscheinlich, dass wir Chancen oder tolle Möglich­keiten entdecken. Blöd gelaufen.

 

An dieser Stelle hoffe ich, dass die Frage auftaucht, wie wir denn unsere Neugier „füttern“ können.

 

Zum Einen: Mit Selbstreflexion.

Stellen Sie sich selbst Fragen: Interessiert es mich wirklich? Wie ist meine innere Haltung? Interessiert mich nur, was unmittelbar zu meinem Fachbereich gehört? Interessieren mich auch Entwicklungen und Möglichkeiten, die ich nicht sofort brauchen kann? Mache ich nur das absolut Naheliegende?

 

Zum Zweiten: Mit einem wachen Blick auf Muster­unterbrecher im Umfeld

Habe ich mir mein Umfeld, mein Büro, meinen Arbeitsplatz „stay-hungry“-gemäß gestaltet? Das heißt, ist mein Umfeld vorhersehbar oder gibt es in meiner Umgebung Musterunterbrecher? Um die Innvoationskraft zu testen, wurden Teilnehmer in zwei fast identische Räume gesetzt. Die gleichen Tische, die gleichen Stühle, die gleiche Raumaufteilung, das gleiche Licht. Nur eines war anders. In einem Raum hing ein Poster mit moderner Kunst (ein Bild voll mit grauen Kreuzen). Im anderen Raum hatte das Poster einen Musterunterbrecher (ein Kreuz war in einer anderen Farbe). Und siehe da, in dem Raum mit dem Musterunterbrecher-Poster wurden 40% mehr Ideen hervorgebracht. Mein Lieblingsbeispiel dazu sind die absolut neugierfeindlichen Besprechungsräume. Egal ob ich in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder Südtirol unterwegs bin, die Besprechungsräume in den Firmen sehen alle ähnlich aus. Mehr oder weniger stylische Tische und Stühle, dazu ein Sidebord, vielleicht noch ein Whitebord oder ein großer Bildschirm. Das war es dann auch. Vorhersehbar und kein Musterunterbrecher weit und breit. Das heißt, die Räume, in denen wir arbeiten, in denen wir Innovationen schaffen sollen, in denen wir neugierig auf Wissen sein sollen, in diesen Räumen sagt unser Gehirn ständig: Ball flach halten. Nix Neues denken. Bleib bei deinen Gewohnheiten. Mach dir nicht so viel Arbeit. Deshalb: Gehen sie unbedingt mit großen Augen durch ihre Räume. Haben sie Musterunterbrecher? Oder finden Sie nur „die üblichen Verdächtigen.“

 

Egal ob Sie Ihre innere Haltung neugieriger machen oder Ihrem Arbeitsplatz einen Musterunterbrecher schenken. Besser mit einer Kleinigkeit anfangen, als die Neugier still und leise verhungern zu lassen. Deshalb: STAY HUNGRY.

Wissenswertes

In dieser Rubrik verstecken sich lauter WISSENSWERTE Themen bunt gemixt - Hier ist für jeden was Interessantes dabei!


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